Stammzellen bei koronarer Herzkrankheit
Herzinsuffizienz mit ihren Komplikationen, am
häufigsten als Folge eines akuten Myokardinfarktes mit irreversiblem
Verlust von kontraktilem Myokardgewebe, ist die führende
Todesursache in den westlichen Industrienationen. Trotz großer
Fortschritte mit rascher und vollständiger Reperfusion des
verschlossenen Herzkranzgefäßes, sowie optimierter
medikamentöser Postinfarkttherapie kann die Herzinsuffizienz
infolge des myokardialen Remodelings bisher nur unzureichend verhindert
werden.
Regenerationsfähigkeit des Myokards
Bis vor kurzem galt das Dogma, dass das Herz keine regenerative
Kapazität besitzt, da adulte Kardiomyozyten terminal differenziert
sind und ihre Erneuerungskapazität verloren haben. Als einzige
Antwort des Myokards auf einen erhöhten Funktionsbedarf galt
die Hypertrophie der Kardiomyozyten. In den letzten Jahren hat
sich jedoch herausgestellt, dass diese klassische Sichtweise nicht
mehr zutrifft. Hinweis hierauf lieferten Befunde bei Patienten
nach einer Herztransplantation bei männlichen Empfänger,
die eine weibliches Spenderherz erhielten. Interessanterweise
fanden sich in Myokardbiopsien Zellen, welche ein Y-Chromosom
enthielten, also ein Hinweis auf darauf, dass nicht-kardiale (nicht
vom Spenderherz stammende) Zellen in das transplantierte Herz
eingewandert sind. Sowohl in Kardiomyozyten als auch in Endothelzellen
der Gefäßstrukturen fanden sich Y-Chromosomen, was
darauf hindeutet, dass diese eingewanderten Zellen an der Regeneration
des Myokards und der Gefäßneubildung beteiligt sind.

Physiologische Rolle von Stamm- / Progenitorzellen
Stamm- und Progenitorzellen die vom Knochenmark in die Blutbahn
freigesetzt werden sind ein von der Natur angelegtes Reparatursystem
für Schädigungen der Organe. Im Rahmen einer Ischämie
kommt es zur Bildung von Botenstoffen (z.B. Wachstumsfaktoren
wie ‚VEGF’), die in die Blutbahn freigesetzt werden
um im Knochenmark die Progenitorzellen zu mobilisieren (Abb.2).
An der Loslösung der Prognitorzellen von den Knochenmark-Stromazellen
und der Migration in die Blutsinusoide sind Stimuli wie das Erythropoietin
oder G-CSF sowie Metalloproteinasen und Glycoproteinrezeptoren
beteiligt. Die mobilisierten Progenitorzellen werden dabei im
ischämischen Gewebe aus dem Blut extrahiert um beispielsweise
über die Neubildung von Gefäßen (Neovaskulogenese)
zur Restitution der Myokardfunktion beizutragen. Ischämisches
Gewebe (z.B. Myokardgewebe nach Herzinfarkt) exprimiert dabei
Rezeptoren und bildet Botenstoffe, die das Adhärieren, Einwandern
und Differenzieren der Progenitorzellen steuern.

Inwieweit sich die Stammzellen dabei zusätzlich
auch selbst in Herzmuskelzellen umwandeln ist derzeit noch umstritten.
Unabhängig von der exakten Kenntnis der einzelnen Mechanismen,
kann man die Stammzellen heute als ein physiologischen Reparatursystems
beschreiben, welches von der Natur aus wahrscheinlich nur für
eine geringgradige, langsame Reparatur, möglicherweise als
Gegengewicht zur Alterung der Organe oder geringer Verletzungen
ausgelegt ist. Bei einem „Massenunfall“ wie dem akuten
Myokardinfarkt ist diese physiologische Reparaturfähigkeit
offensichtlich bei weitem überfordert

Stammzellen
Als Quelle dieser regenerierenden Zellen kommt dabei das Knochenmark
in Frage. Neuere experimentelle Untersuchungen weisen darauf hin,
dass die Plastizität von Stammzellen aus dem Knochenmark
wesentlich größer ist als bisher angenommen. Bisher
hat man angenommen, dass adulte Stammzellen aus dem Knochenmark
– im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen - auf bestimmte
Zelllinien fixiert sind innerhalb derer sie sich lediglich weiter
differenzieren können (Gewebespezifität)

Therapeutischer Einsatz
Die Kenntnis der regenerierenden Fähigkeiten von Progenitorzellen
kann jedoch therapeutisch genutzt werden, wenn es gelingt den
Effekt entsprechend zu verstärken. Da insbesondere eine verminderte
Vaskularisierung im Periinfarkt-Areal zur Expansion der Infarktgröße
und Dilatation des linken Ventrikels (Remodeling) beiträgt,
könnte eine durch Progenitorzellen induzierte therapeutische
Neovaskularisation nützlich sein.
Zahlreiche tierexperimentelle Studien weisen in der Tat darauf
hin, dass nach einem akuten Myokardinfarkt die therapeutische
Gabe von Stammzellen aus dem Knochenmark oder von endothelialen
(im Blut zirkulierenden) Progenitorzellen (EPC) das Remodeling
des linken Ventrikels nach Infarkt reduziert und die linksventrikuläre
Funktion wieder verbessert werden kann.
Basierend auf diesen experimentellen Befunden wurde dieses Therapieprinzip
in den letzten Jahren in klinische Studien, insbesondere bei der
koronaren Herzkrankheit, übertragen. Die Studien unterscheiden
sich bezüglich der Indikation, applizierten Zelltypen und
Applikationsmethoden
Schwerpunkt unserer Klinik Forschung ist die Physiologie und die
therapeutische Anwendung von Stammzellen bei Patienten mit Herzerkrankungen
zu erforschen.
Dabei stehen wir in engem Kontakt und Ideenaustausch zwischen
der Molekularen
Kardiologie und der klinischen Forschung .
Eine Übersicht über die an unserem
Zentrum und in Kooperation mit anderen Kliniken hierzu durchgeführten
Studien finden Sie wie folgt.